Die musikalischen Botschafter des Kraichgaus feierten ihren 50. Geburtstag Festgottesdienst und Festakt zum 50-jährigen Jubiläum des Kraichgau Fanfarenzugs
Hier finden Sie die Bilder unserer Jubiläumsfeier:


Mühlhausen - rka - Mit einem ökumenischen Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Cäcilia und einem Festakt in der Kraichgauhalle beging der Kraichgau Fanfarenzug den 50. Jahrestag seiner Gründung. Der Gottesdienst wurde musikalisch von der Brass Band des Jubelvereins gestaltet. In seiner Begrüßung stellte Pfarrer Manfred Tschacher fest, der Verein und seine Verantwortlichen hätten in diesen 50 Jahren viel geleistet, auf das sie dankbar zurückblicken könnten. Der Dank am heutigen Tag gelte auch Gott, der den Menschen als Gemeinschaftswesen erschaffen und ihn mit der Liebe zur Musik ausgestattet habe. In seiner Festpredigt wies Pfarrer Wolf-Dieter Weber auf die Wirkung der Musik hin, die Traurigkeit zu vertreiben. Als Beispiel wählte er das bekannte Kirchenlied "Nun danket alle Gott", das mitten in den Wirren eines Krieges entstanden sei. Nach dem Gottesdienst zogen der Kraichgau Fanfarenzug und die Musikkapelle gemeinsam durch die Straßen der Gemeinde zum Festakt in der Kraichgauhalle.

Dort eröffnete der Jubelverein unter seinem musikalischen Leiter Volker Wachter mit den traditionellen Titeln "Ruf Zwo-Festfanfare" und "Klänge aus Mühlhausen" die Festveranstaltung. Der 1. Vorsitzende Thomas Palatschek begrüßte die zahlreich erschienenen Ehrengäste, die Gründungsmitglieder, die Abordnungen der Vereine und der Fanfaren- und Blasmusikverbände. Der Schirmherr der Jubiläumstage, Bürgermeister Karl Klein überbrachte die Glückwünsche des Landes Baden-Württemberg, namentlich von Ministerpräsident Günther Oettinger, des Gemeinderats und aller Mitbürgerinnen und Mitbürger. Die in den 50 Jahren vom Kraichgau Fanfarenzug erbrachten Leistungen, nicht nur in der Musik, sondern auch für Vereine, Bürger und Gemeinde seien beispielhaft und verdienten öffentliches Lob und Anerkennung.

Der Bürgermeister erinnerte an das Gründungsjahr, als die Gemeinde gerade mal 2500 Einwohner zählte. Schon damals habe der Verein eine besondere Verantwortung übernommen. Heute könne er als Bürgermeister dem Verein bestätigen, dass er dieser Verantwortung mehr als gerecht geworden sei, nämlich den Namen der Gemeinde in alle Welt zu tragen. Aber auch innerhalb der Gemeinde habe der Verein das kulturelle und gesellschaftliche Leben bereichert und immer wieder außergewöhnliche und überraschende Akzente gesetzt. Als "Meisterleistung" würdigte Karl Klein den Bau des Fanfarenhauses. Hier hätten die Mitglieder des Vereins Eigenverantwortung gezeigt und keine Ansprüche an die Allgemeinheit und an die Gemeinde gestellt.

Beispielhaft ist für den Bürgermeister auch die Arbeit im Jugendbereich. Mit qualifizierten Kräften führe der Verein selbst die musikalische Grundausbildung durch und sei so in der Lage, jungen Menschen nicht nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten, sondern auch qualifizierte Musiker dem Fanfarenzug und der Brass Band zuzuführen. Sehr lobend äußerte sich Karl Klein über das Zusammenwirken der Ortsvereine. Damit werde für jeden sichtbar, was die Gemeinde nicht nur an äußeren, sondern auch an inneren Werten zu bieten habe. Nicht alles lasse sich in der heutigen Zeit, wo vieles auf materielle Werte ausgerichtet ist, auch erkaufen. "Menschliche Werte wie Hilfsbereitschaft, Geselligkeit, Kameradschaft sind heute genau so gefragt wie vor 50 Jahren" so der Bürgermeister. So habe der Zusammenhalt auch innerhalb des Vereins in diesen 50 Jahren schon "Berge versetzt". Dazu hätten auch die großen Persönlichkeiten innerhalb des Vereins einen sehr wesentlichen Beitrag geleistet.

Seine Festrede stellte Rudi Kramer unter das Motto "50 Jahre Kraichgau Fanfarenzug - Menschen, Momente & Musik". Er wies zunächst auf die große Bedeutung der Musikvereine und Chorgemeinschaften für das kulturelle und gesellschaftliche Leben für das Dorfleben hin. Ohne dieses gemeinsame Musizieren wäre eine Gemeinde im kulturellen Bereich um vieles ärmer. Deshalb sei es angebracht, all jenen Männern und Frauen einmal ein herzliches Dankeschön zu sagen, die einen Teil dieser Freizeit opfern, um dieses Hobby zu pflegen, aber auch, um die Herzen der Menschen zum Schwingen zu bringen. Kramer erinnerte dann an jenen 17. Juni 1956, als 18 Aktive und sechs Lehrlinge den "Fanfarenzug Mühlhausen" gründeten. Mit einer riesigen Begeisterung sei man ans Werk gegangen und habe für die Sache der Musik große persönliche und finanzielle Opfer gebracht. "Manchmal könnten wir heute in unseren Vereinen etwas von diesem Geist und Elan brauchen", so der Festredner.

Kramer zeigte anschließend auf, wie die Fanfaren ihren Traum vom eigenen Heim verwirklichten, vom altehrwürdigen Gasthaus "Zum Lamm", über den Saal der "Reichspost", den "Kraichgaukeller" bis hin zum Fanfarenhaus und der Landsknechtsstube. Hier habe man den Grundstein für die musikalischen Erfolge gelegt, wie Europa-Pokal, Deutschland-Pokal, dazu nicht zu zählende Tagesbestleistungen. "In all den 50 Jahren war der Kraichgau Fanfarenzug auch ein belebendes Element im gesellschaftlichen Leben unserer Gemeinde", so der Festredner. Er nannte dabei in erster Linie die Theaterabende in der Bernhardushalle, die Wiederbelebung der Kerwe, die Prunksitzungen, aber auch die glanzvollen Jubiläumsveranstaltungen. Diese Erfolge in der verschiedenen Bereichen verdanke man dem engagierten Wirken der Verantwortlichen, so Karl Rühl, dem Mann der ersten Stunde, dem Ehrendirigenten Wolfgang Knopf, dem Ehrenvorsitzenden Werner Klefenz, dem Ehrenbürger Josef Maier und dem Solotrompeter am Dirigentenpult, Stefan Salzinger.

Als "musikalische Botschafter des Kraichgaus in aller Welt", so bezeichnete Rudi Kramer die Mühlhausener Landsknechte. Überall habe man sich in diesen 50 Jahren einen guten Namen erworben, bei der Gestaltung vieler Volksfeste, bei den freundschaftlichen Beziehungen in manche Länder und bei der musikalischen Aufwartung bei Kanzlern und Präsidenten. Trotzdem gehöre der Kraichgau Fanfarenzug auch nach 50 Jahren noch zu "unserer Heimat Mühlhausen und zur Musik", die an diesem festlichen Abend erklingt. Dies sei allerdings kein einseitiges Plädoyer für die traditionelle Fanfarenmusik. Heute habe der Fanfarenzug einen weitaus umfassenderen Auftrag. Er habe sich durch die Öffnung für die moderne Blasmusik in der Brass Band für einen zweiten Wege entschieden. "Wer diese Öffnung zu neuen Ufern verpasst, verliert den Anschluss und damit die Jugend". Deshalb Kramers Ratschlag: "Bewahrt die Tradition und öffnet euch weiterhin für das Moderne".

Nach der Ernennung der Ehrenmitglieder hatte Ehrendirigent Wolfgang Knopf die dankbare Aufgabe, die von den Gründungs- und Ehrenmitgliedern gestifteten Standartenwimpel an der Vereinsstandarte zu befestigen. Die Geburtstagsgrüße des Verbands Südwestdeutscher Fanfarenzüge überbrachte dessen Vizepräsident Wolfgang Gerhold. Er hob das große Ansehen des Jubelvereins hervor, das sich dieser als "musikalischer Botschafter" in fünf Jahrzehnten erworben habe. Der Sprecher der Ortsvereine, Günther Hotz, reihte sich ebenfalls in die Schar der Gratulanten ein, überbrachte das Geburtstagsgeschenk der Vereine und lobte den Kraichgau Fanfarenzug als "unverzichtbaren Baustein im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Gemeinde". Die musikalischen Grüße der Ortsvereine überbrachten stellvertretend der Kirchenchor St. Cäcilia unter der Leitung von Esther Fried und der Chor "New Generation" vom "Sängerbund" unter seinem Dirigenten Konrad Knopf. Für den Blasmusikverband Rhein-Neckar gratulierte dessen Vorsitzender Georg Werkmann für die 78 angeschlossenen Vereine und sprach die Hoffnung aus, dass das "Vereinsschiff auch in den nächsten 50 Jahren gut auf Kurs bleibt". Im Auftrag seines Verbands sprach er verschiedene Ehrungen aus. Im zweiten Teil des Abends zeigte sich der Jubelverein von seiner musikalisch modernen Seite. Die Brass Band spielte zwischen den Ehrungsteilen schwungvolle Märsche wie den "Großherzog-Friedrich-Marsch" und als glanzvollen Abschluss des Abends "Junge Garde".

Rudi Kramer

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