 |

Die Blaskapelle Gloria beim Fanfarenfest
Mit Blasmusik der Extraklasse ließ "Gloria" das Festzelt überkochen
Zum 50. Geburtstag des Kraichgau Fanfarenzugs gratulierten die Europameister 2000.

Hier finden Sie die Bilder unserer Jubiläumsfeier:
Mühlhausen - rka - 50 Jahre Kraichgau Fanfarenzug unter dem Motto "Menschen,
Momente & Musik" waren für die Verantwortlichen Anlass, einen musikalischen
Jubiläumshöhepunkt zu setzen. Dazu hatte man die bekannte, südmährische
Blaskapelle "Gloria" ins Festzelt verpflichtet, ein Glücksgriff, wie alle
Besucher bestätigen werden, die zu diesem Festival der Blasmusik ins
Festzelt geströmt waren. Im Jahre 1994 gegründet, wird sie vom Trompeter und
Komponisten Zdenek Gursky geleitet. Zu diesem hervorragenden Ensemble
gehören 13 Musiker und drei Gesangssolisten. Die meisten von ihnen sind
Absolventen des Konservatoriums oder der Musikhochschule. In den letzten
zwölf Jahren hat "Gloria" bereits 21 CDs herausgegeben, die letzte mit dem
Titel "Alles klar". Den größten Erfolg konnte man im Jahre 2000 erringen:
Bei der ersten Europameisterschaft der böhmisch-mährischen Blasmusik holte
die Kapelle den Titel "Europäischer Meister" in der Profiklasse.
Allen Grund zur Freude hatten die Musikanten des Kraichgau Fanfarenzugs
unter dem Vorsitzenden Thomas Palatschek. Denn nach dem beeindruckenden
Auftritt der Blaskapelle "Gloria" im letzten Jahr beim 80-jährigen Bestehen
des Musikvereins war es wiederum gelungen, diese weltbekannte Musiktruppe an
Land zu ziehen. In einem Vier-Stunden-Programm bot man einen Querschnitt
durch die ganze musikalische Landschaft, und bewies, dass Blasmusik nicht
nur aus Polkas, Märschen und Walzern besteht, sondern durchaus auch die
Popmusik ihren Platz hat. Mit schwungvollen Klängen zogen die Musiker, immer
wieder angetrieben von Zdenek Gursky, das Publikum in ihren Bann. Von
überall waren die Blasmusikfans herbeigeströmt, nicht nur aus Mühlhausen,
auch aus der näheren und weiteren Umgebung. Sie zeigten, genau wie die
Musikanten, ein gewaltiges Durchhaltevermögen ohne Ermüdungserscheinungen,
und ließen sich trotz der Hitze und des Mammutprogramms bis zum Schluss
immer wieder zu Beifallsstürmen und stehenden Ovationen hinreißen.
Drei Dinge waren es, die diesen Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis
werden ließen: Zunächst einmal das Blasorchester als Ganzes, dann die
virtuosen Solisten auf den einzelnen Instrumenten und schließlich die drei
Gesangssolisten Lubica (Sopran), Jana (Alt) und Vaclav Sterba (Tenor). Die
hochkarätige Besetzung des Ensembles mit Trompete, Flügelhorn, Klarinette,
Tenorhorn, Bariton, Tuba, Posaune und Schlagzeug musiziert derart gelöst wie
auch mit einer inneren Disziplin, dass der Zuhörer seine helle Freude daran
hat. Selbst wenn sich die Musiker, um ihr Solo besser zur Geltung zu
bringen, durch das Zelt marschieren, geht nichts von der Harmonie und
Geschlossenheit verloren.
Kapellmeister Zdenek Gursky hat für seine Mannschaft ein schier
unerschöpfliches Repertoire an Polkas, Walzern und Märschen wie auf den Leib
geschneidert, die er immer wieder geschickt einsetzt, damit sich seine
Musikanten "warmspielen" können. Aber dann gibt er den einzelnen Registern
freien Lauf, mal den Klarinetten, mal den Tenorhörnern, mal den Trompeten,
sich solistisch zu präsentieren. Geschickt verteilt er die Gewichte von
einem zum anderen Instrument, lässt aber dazwischen auch Verschnaufpausen,
um das Orchester ins Spiel zu bringen und dem Publikum die Möglichkeit für
Szenenapplaus zu geben. Wie problemlos man sich in ein solches Klasseteam
einbringen kann, beweisen der Dirigent des Kraichgau Fanfarenzugs Stefan
Salzinger und der musikalische Leiter Volker Wachter bei der "Südböhmischen
Polka", bei der sie sich als gefeierte Solisten präsentieren.
Was an Zdenek Gurskys Musik auffällt: Er ist richtig verliebt in die
parallele Zweistimmigkeit, die er oft einsetzt, um den volksliedhaften Sound
seiner böhmisch-mährischen Lieder hervorzuheben. Besonders deutlich wird
das, als beim Potpourri ihrer schönsten Stücke nach dem Tenorhorn-Solo zur
Einstimmung die beiden Klarinetten in harmonischer Weise Zwiesprache halten.
Eine außergewöhnliche musikalische Delikatesse sind die mährischen
Volksweisen aus der Feder des Kapellmeisters, die er vorzüglich in
schmissigen Potpourris verpackt, um damit die Stimmung im Saal noch mehr
anzuheizen. Selbstverständlich werden von Zeit zu Zeit auch Publikumswünsche
erfüllt.
Natürlich lebt die Blaskapelle "Gloria" davon, dass jeder einzelne Musiker
sein Instrument als Solist beherrscht. So werden immer wieder Soloauftritte
ins Programm eingestreut, wie zum Beispiel das virtuose Stück "Himmlisches
Panorama", bei welcher der Solist am Bariton aus seinem eher schwerfälligen
Instrument rasante Läufe über mehrere Oktaven hervorzaubert. Die Stunde der
Solo-Klarinetten kommt bei der "Nachbar-Polka", bei der die Sechzehntelnoten
in atemberaubendem Tempo nur so durch den Raum gewirbelt werden. Ein
Ohrenschmaus ist der "Sommertraum", wo Posaune und Trompete im Wechselspiel
ihr solistisches Können zeigen. Den ganzen Schmelz seiner Trompete bringt
Vojtech Novotny in das besinnliche Konzertstück "Love Story", in das nicht
minder ergreifende "Ave Maria" von Franz Schubert, in das ganz
gegensätzliche Stück "Arrival" von "ABBA" und schließlich in das
Bravourstück "Silberfäden".
Wären noch die Gesangssolistinnen Lubica und Jana zu erwähnen, die nicht
nur wegen ihrer schicken, mährischen Tracht das Publikum begeistern. Mit
vortrefflicher Stimme und großer Ausdruckskraft gestalten sie in erster
Linie die böhmisch-mährischen Lieder im Polkaschritt. Aber bei "Tell him"
und "One Moment in Time" beweisen die beiden Solistinnen, dass sie auch
Modernes sehr einfühlsam präsentieren können. Einen absoluten musikalischen
Höhepunkt setzen Lubica mit ihrem Partner Vaclav Sterba mit der Titelmelodie
aus dem Musical "Phantom der Oper" von Lloyd Webber. Eine große Fangemeinde
und der Kraichgau Fanfarenzug danken den Künstlern aus Südmähren für ihren
faszinierenden Auftritt, der bis nach Mitternacht dauerte und erst nach
mehreren Zugaben ausklang. Ein echter musikalischer Glanzpunkt im
Festprogramm des Kraichgau-Fanfarenzugs.
Rudi Kramer
|
|
|